Pressemitteilung vom 30.06.2017

Ertrag passt noch, aber schwindet

Bei der Vertreterversammlung der Raiffeisen-Volksbank Ebern wurde das Jahresergebnis 2016 abgesegnet und nächste Schritte für die Verschmelzung mit der Genossenschaft Lichtenfels-Itzgrund mit großer Mehrheit beschlossen.

Von Ralf Kestel, Fränkischer Tag - Ausgabe Haßberge

Nach der fast 100-prozentigen Zustimmung bei der Eberner Vertreterversammlung am Dienstag im Rentweinsdorfer Marktsaal stimmten auch die Bankverantwortlichen aus dem Itzgrund und rund um Lichtenfels dem Zusammengehen ihrer Genossenschaft zur neuen VR-Bank Lichtenfels-Ebern zu, die Ende November ihre Geschäfte aufnehmen soll. Von 108 Vertretern waren 102 für die Fusion, die in mehreren Regionalkonferenzen und einem halben Jahr Vorlauf vorbereitet worden war. De jure erfolgt die Fusion rückwirkend zum 1. Januar 2017. Der Geschäftsbetrieb wird Ende November aufgenommen.

Dann sind die Stühle gerückt, alle Zahlen liegen auf dem Tisch. Viele davon hatte der Eberner Vorstandssprecher Christian Senff bei der 40. Vertreterversammlung, der letzten in dieser Form, für das Geschäftsjahr 2016 schon parat, das Senff so charakterisierte: „Das Ergebnis ist zufriedenstellend, aber rückläufig. Mit der Fusion machen wir uns zukunftsfähig.“

Einsparpotenziale nutzen

So sieht es auch Aufsichtsratsvorsitzender Günther Stottele, der die Verschmelzung als wichtigen Schritt im Ertragsbereich erachtet, da Einsparpotenziale genutzt werden. „Das ist der Grundstein für eine gut aufgestellte Genossenschaft.“ Ein höher dotierter Posten zählt dazu: Der bisherige Eberner Vorstand Bernd Bindrum scheidet zum 30. September aus.

Seitens des Prüfungsverbandes, so Stottele weiter, sei der uneingeschränkte Bestätigungsvermerk erteilt worden. Die Ertragslage sei zwar rückläufig, aber zufriedenstellend und auch für die Zukunft angemessen.

Bilanz wächst in der Summe

In Zahlen, die Bernd Bindrum und Christian Senff erläuterten: Die Bilanzsumme wuchs um
sechs Millionen Euro (was zwei Prozent entspricht) auf 325 Millionen Euro, wobei aber nur ein Bilanzgewinn von 289.000 Euro heraussprang (Vorjahr: 605.000 Euro). Das Betriebsergebnis schwindet somit von 1,06 Prozent auf 1,02.

Positiv hätten sich, so Senff, die Kennzahlen beim Kreditvolumen und den Kundeneinlagen
(nunmehr 257 Millionen Euro) entwickelt. „Da liegen wir sogar über dem Landesdurchschnitt.“

Das gezeichnete Kapital der Mitglieder stieg auf 9,2 Millionen Euro, wobei deren Zahl von
8900 auf 8714 sank, da man sich von einigen trennte, die keine aktive Geschäftsbeziehung zur Bank mehr unterhalten, was nicht im Sinne einer Genossenschaft sei. „Manche haben ja sogar ihre Dividende auf Konten bei anderen Banken überweisen lassen.“

Erträge rückläufig

Das Eigenkapital wurde weiter aufgestockt und liegt nunmehr bei über 35 Millionen, was elf
Prozent entspricht.

Senff: „Der Zinsüberschuss war rückläufig von 6,7 auf 6,4 Millionen und das wird sich aufgrund Minuszinspolitik der EZB noch drastisch beschleunigen.“

Auf die rückläufigen Erträge habe die Geschäftsführung auf der Ausgabenseite reagiert:
„Die Personalausgaben waren rückläufig, die Sachaufwendungen wurden zurückgefahren,
ebenso die Abschreibungen auf Anlagegüter.“ Dennoch habe die Bank zuletzt über 800.000
Euro Steuern gezahlt, allein 350.000 Euro an Gewerbesteuer sowie 40.000 Euro für gemeinnützigen Zwecke ausgeschüttet. „Das ist Geld, das in der Heimat blieb, für Wertschöpfung und Kaufkraft in der Region sorgt.“

2017 wird noch schwieriger

So sei auch das erste Halbjahr 2017 zwar zufriedenstellend verlaufen, aber rückläufig. Das
gelte auch fürs Ergebnis, wobei Senff den Gewinn dennoch so angemessen erwartet, dass eine weitere Stärkung des Eigenkapitals möglich werde.

Senff: „Durch die Fusion mit den Kollegen aus Lichtenfels stellen wir uns gestärkt dem Wettbewerb und machen uns nachhaltig zukunftsfähig“, womit auch eine Nachfrage beantwortet war, ob nicht schon in wenigen Jahren die nächste Fusion anstünde?

Regionaldirektor Roland Streng vom Genossenschaftsverband bestätigte, dass „in diesem
Haus alles in Ordnung ist“, die Ertragslage rangiere über dem Durchschnitt in Bayern. Auch
bei der ausgeschütteten Dividende liege Ebern gut. „Da gibt es eine Spanne zwischen einem
und drei Prozent.“

Hohe Eigenkapitalquoten

Streng begrüßte die angestrebte Fusion „ausdrücklich“, da beide Häuser gut aufgestellt seien, wie seine Analyse der Bilanzen der letzten drei Jahre ergab („beide haben eine Super-Eigenkapitalquote“), und nun noch eine Bündelung der Kräfte erfolge. Strengs Kurzformel: „Es passt alles.“

Bei den turnusgemäßen Aufsichtsratswahlen wurden Kristina Ziegler (Ebern), Siegfried Kirchner (Untermerzbach) und Thomas Limpert (Ebern-Heubach) in ihren Ämtern bestätigt.
Das künftige Gremium wird aus 16 Aufsichtsräten bestehen, sieben aus Lichtenfels, neun aus
Ebern, wobei bis 2022 eine Angleichung erreicht werden soll.